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17.12.07 - Die göttlich tanzende Fleischwurst! -Südkurier Konstanz 01.12.2007

Der rote Faden, der durch das Programm führe, sei nur die Reihenfolge der Lieder. Vorbereitete Texte, Sketche, auswendig gelernte Witze oder gar Playbacks - wie bei anderen Travestie-Künstlern üblich - habe er nicht parat, berichtet Jens Dierkes-Kuper. Er ist der Mann, der sich hinter der Künstlerin "Gräfin Tamara" verbirgt, die von sich selbst schon mal behauptet, eine "göttlich tanzende Fleischwurst" zu sein.

Der 34-Jährige ist eigentlich Regie-Assistent am Stadttheater Konstanz. Schon immer sei er dem Theater und dem Entertainment sehr verbunden gewesen, erzählt er. Auf Clubkreuzfahrten habe er bereits mit Künstlerlinnen wie Katharina Valente oder Lilo Wanders für die Kurzweil der Reisenden gesorgt. Irgendwann sei dann die Kunstfigur der "Gräfin Tamara" entstanden, die jetzt gerade mal zarte zehn Jahre alt geworden ist. In dieser Zeit hat Dierkes-Kuper 85 Lieder einstudiert und sieben verschiedene Programme auf die Beine gestellt. Dabei hatte er auch Auftritte im Hamburger Schmidt-Theater sowie am Deutschen Theater in Berlin. Es gibt sogar eigens für "Gräfin Tamara" komponierte Stücke, die aus der Feder von Kai Dorenkamp stammen.

Gemeinsam mit dem Pianisten Carsten Rust hat Dierkes-Kuper nun eine Art "Best of Tamara" aus diesen sieben Shows zusammengestellt. Mit diesem Programm "One for my baby!" gehen Rust und Dierkes-Kuper heute Abend ab 20.30 Uhr in der Spiegelhalle auf die Bühne. Das Datum ist nicht willkürlich ausgewählt, sondern es handelt sich um den Welt-Aids-Tag. Die beiden verzichten auch auf eine Gage, der Reinerlös der Veranstaltung geht an die Konstanzer Aidshilfe. Die Lieder des Abends sind für eine Travestie-Show eher ungewöhnlich, aber versprechen mit Titeln wie "Masochisten-Tango" hoch interessant zu werden. Auch die Tatsache, dass Dierkes-Kuper sich weigert, für seine Show Manuskripte zu schreiben, wird mit Sicherheit für viele Überraschungen sorgen. Denn den Zuschauer erwarte ein "Riesenfass an Improvisationen", so der Künstler. Oft schon habe er sich kurz vor einer Show noch hinter dem Vorhang gefragt, was er da tue, weil kein Skript ihm seinen Weg durch das Programm wies. Aber immer wieder stelle sich heraus, dass er mit dem "Intuitiv-Entertainment" am besten fahre, denn auf seine Schlagfertigkeit könne er sich verlassen.

Allerdings sei durch die Arbeit als Regie-Assistent seine Präsenz auf der Bühne immer mehr geschwunden, zunächst weil einfach nicht mehr genügend Zeit bleibe und außerdem auch, weil er seine beruflichen Prioritäten mehr bei der Regie setze. So inszeniert er unter anderem an der Seite von Regisseur Wulf Twiehaus "Die Räuber" von Schiller sowie "Herr Puntilla und sein Knecht Matti" von Brecht,zudem ist er bei der Veranstaltungsreihe Dock 22/30 für die "Weaner Melange" verantwortlich und hat mit Gabriele Wiesmüller "Raus aus Amal" inszeniert. Daher gibt es "Gräfin Tamara" nur noch zwei Mal im Jahr zu sehen.

Selma Burnukara

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